Alvar

 

 

Alvar und Pony Ton, 2007
Foto: Margot Steyer




Alvar kaufte ich im September 1992 und stellte ihn – damals noch recht ahnungslos von artgerechter Pferdehaltung – in einem „Reitstall“ mit Innenboxenhaltung im Rhein-Main-Gebiet unter, der zumindest im Sommer täglichen Weidegang tagsüber anbot. Offenstallhaltung war damals noch nicht so weit verbreitet, und ich wusste noch nicht, dass die Boxenhaltung mein Pferd einmal sehr krank machen würde…

Bei einer tierärztlichen Untersuchung im Alter von 4 Jahren meinte der damalige Tierarzt beim Vorführen meines Pferdes „… der steht schepp, der braucht Eisen…“
Damals hatte ich noch keine Ahnung von Pferdehufen und was der Tierarzt sagt, muss ja wohl richtig sein, daher fragte ich nicht weiter nach, warum mein Pferd Eisen brauchen sollte. Also bekam Alvar mit 4 Jahren seinen ersten Beschlag. Der damalige Schmied machte seine Arbeit wirklich sehr gut und vorsichtig, so dass Alvar zum Glück nie schlechte Erfahrungen mit der Arbeit an den Hufen machen musste.

Im Alter von ca. 6 1/2 Jahren wurde bei Alvar Kissing Spines, eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der sich die Dornfortsätze der Wirbel berühren und es zu Entzündungen kommt, und Spat, eine Verknöcherung der Sprunggelenke, diagnostiziert. Und das bei einem jungen, unverbrauchten Pferd! Ich war ziemlich am Boden zerstört. Schon einige Zeit vor dieser Diagnose hatte Alvar oft Rückenprobleme, war verspannt beim Putzen und Satteln und drückte den Rücken bei der leichtesten Berührung weg. Teilweise war es so schlimm, dass er beim Satteln umgefallen ist!
Der Tierarzt kam, spritze Anabolika, meinte, ich solle mehr Dressur reiten (ich, als „Buschreiter“!) und Alvar bräuchte hinten einen Spatbeschlag, womit er Eisen mit längeren Schenkeln meinte.

Wie gesagt, als ahnungsloser Pferdebesitzer hört man ja brav auf das, was der Tierarzt sagt, und so versuchte ich meinem Pferd mit Dressurarbeit in der Halle unter Anleitung einer Bekannten, die guten Reitunterricht gab, zu helfen, und den gewünschten Beschlag bekam mein Pferd natürlich auch.

Da es Alvar nicht besser ging, entschloss ich mich zusammen mit einer damaligen Freundin aus demselben Stall, deren Pferd chronischen Husten dort hatte, zu einem Stallwechsel. Im Sommer 1998 zogen wir um in eine kleine Stallgemeinschaft bei einem Bauern, mit großen Außenboxen und täglichem Weidegang für die Pferde.
Dort ging es Alvar dann im Laufe der Zeit besser und er drückte nicht mehr den Rücken weg beim Satteln, aber ca. 1 Jahr nach dem Umzug in den neuen Stall stellten sich andere Rückenprobleme ein: Beim Reiten fing Alvar bald nach dem Losreiten plötzlich an, mit dem Fell zu zucken, sich zu schütteln, zu bocken und zu steigen, was er sonst nie gemacht hat. Kein Tierarzt konnte eine Ursache finden, sie schoben es auf die Kissing Spines, und meinten, mein Pferd sei wohl nicht mehr reitbar.

Da mein Pferd ja nun vermutlich nicht mehr reitbar war, entschloss ich mich, das Angebot einer Freundin anzunehmen, ihren kleinen Offenstall in Eigenregie zu übernehmen, da sie sich woanders ein Haus mit Land gekauft hatte, und aus dem Taunus wegziehen wollte.
Meine Freundin mit dem Hustenpferd aus dem 1. Stall wollte nicht mitkommen und so brauchte ich ein Beistellpferd für Alvar im Offenstall. Im Sommer 2001 kam Laska zu mir, und beide zogen zusammen in den eigenen kleinen Offenstall ein.
Alvar sollte ja laut Tierarzt nicht mehr reitbar sein, und so entschied ich mich dazu, ihn auf wieder barhuf umzustellen. Denn nur um auf der Koppel rumzulaufen braucht kein Pferd einen Beschlag.
Meinem damaligen Schmied war der Weg zu meinem kleinen Offenstall zu weit, und so kam die Hufpflegerin Inge Schäfer aus Wiesbaden zu mir. Inge nahm Alvar die Beschläge ab und sagte zu mir, dass es ½ bis 1 Jahr dauern könne, bis Alvar auf jedem Boden wieder „normal“ laufen könnte. Diese Zeit hat er auch wirklich gebraucht, und beinahe 1 Jahr nach der Eisenabnahme lief Alvar auch ohne Hufschuhe auch problemlos über harten Boden und – wenn auch vorsichtig – über Schotter.

Dank einer Tierheilpraktikerin konnten wir herausfinden, dass Reitergewicht zusammen mit der Wärme, die sich unter der Satteldecke bildet, Alvar‘s Nervenbahnen im Rücken anschwellen lässt und es so zu den Schmerzzuständen beim Reiten kam. Dank Akupunktur und Homöopathie war es nach einiger Zeit möglich, Alvar zumindest bei kaltem Wetter ein bisschen zu reiten. Im Sommer geht es nach wie vor nur morgens oder abends, wenn es noch kühl ist.

Seitdem Alvar in den Offenstall umgezogen war und von Beschlag wieder auf barhuf umgestellt wurde, ging es ihm immer besser, so dass er inzwischen mit über 26 Jahren noch sehr fit und gesund ist. In der Zwischenzeit sind wir noch ein paarmal umgezogen und wohnen jetzt auf einem eigenen kleinen Hof im Hunsrück, natürlich mit den Pferden barhuf und dem Offenstall direkt am Haus.